• Servus Bueller


    Ich hab eigentlich immer 20W50 Original Harley oel in meine Buell gefüllt. Ich hab aber noch 10W60 voll Syntetisches Oel, darf ich das in das Mopet füllen ohne das der Motor schaden nimmt?

    • Offizieller Beitrag

    Empfohlen ist es nicht...
    http://www.xborgforum.de/wiki/index.php/Motoröl


    Conny Q vom Xborg schreibt:


    Viskositätsklasse:


    Die Viskositätsklasse gibt lediglich empfohlene Einsatztemperaturen vor und ist KEIN Qualitätshinweis. Ein 0W70 Öl zum Beispiel deckt zwar auf den ersten Blick alle Temperaturbereiche ab, ist aber im wirklichen Leben eine Katastrophe (erklär' ich noch).


    Die erste Zahl gibt die Kältefestigkeit des Öls an. Bei Kälte wird das Öl fester (kennen wir vom Wasser auch, Eiskugelbeutel aufgetaut sind weicher, als die frisch auf dem Kühler). Festes Öl kann nicht schnell an die zu schmierenden Stellen. Wenn der erste Zahlenwert bei 10W bis 20W liegt, ist das für unseren Temperaturraum in Ordnung. Ein 50-er Einbereichsöl kann bei -20 °C ganz schön zäh sein (=kein ausreichender Schmierfilm beim Start, Metallreibung, Späne, Kotz). Gut, wir fahren seltenst bei den Temperaturen, aber meine überzogene Beschreibung soll nur das System und den Grundgedanken deutlich machen.


    Wie zu jeder Regel gibt es auch hier eine Ausnahme: schlecht eingefahrene Motoren und ein durch viel Fahrleistung und Verschleiß verändertes Spaltmaß können zu Ölverlust neigen. Das merkt ihr aber selber, was Eure Buells so trinken. Dann bitte von einem 10W oder einem 15W absehen, und lieber auf ein 20W wechseln.


    Die zweite Zahl gibt die Hitzefähigkeit des Öls an. Heisses Öl wird ganz schön dünn (kennen wir vom Pommesfett in der Friteuse, das wird auch immer flüssiger beim heissmachen). Zu flüssiges Öl kann keinen vernünftigen Schmierfilm mehr garantieren (=zu dünn). Da haben wir sie dann wieder, die berühmte Trockenreibung oder Metallreibung...die Späne...des Aufschrei des Entsetzens. Buell Fahrer sind im seltensten Fall gemütliche „Durch-die-Landschaft-Chopperer“. Daher werden oftmals recht hohe Einsatztemperaturen erreicht. Dies widerspricht natürlich schon in den Grundzügen den Ideen des Motorbauers, der das unseren Langhubern gar nicht zugedacht hatte, aber so ist es nun mal. Laut unserer Labortests ist ein -50 oder ein -60 Öl schon zu empfehlen.


    Zusammenfassend kann man also sagen, dass im Durchschnitt (Rest s.o.) folgende Öle geeignet sind:
    10W50, 10W60, 15W50, 15W60 (gibt’s nur in Schweden), 20W50, 20W60
    20W50 oder 50-er Einbereichsöl?


    Korrekt ist folgendes: ein 20W50 und ein 50-er Einbereichsöl sollten bei Betriebstemperatur den selben Fliesswiederstand (Viskosität) haben.


    Der Unterschied liegt im Wesentlichen in den kinematischen Viskositäten im Hinblick auf das Fliess-Temperatur-Verhalten des Öles. Diese kinematische Viskosität errechnet sich aus der dynamischen Viskosität durch die Dichte des Öles. Die Dichte ist ja immer Temperaturabhängig (s.o.), so werden folgende Temperaturpunkte zum Bestimmen der Viskoangaben herangezogen: 37,8 °C und 98,9°C. Mit verschiedenen Testverfahren wird der Fliesswiederstand u.w. gemessen zu diesen Temperaturen.


    Um das Ergebnis kurz zu machen: ein 20W50 Öl ist bei -15°C Kaltstartphase noch durchaus fliessfähig, während man ein 50-er Einbereichsöl bei der Temperatur eher mit einem Spachtel bearbeiten sollte. So erreicht das 20W50 Öl auch im recht kalten Zustand schnell die Schmierstellen im Motor, das 50-er Öl würde da länger brauchen. Beide Öle sind gut hitzefest.


    Die Einbereichsöle SAE 20, SAE 30, SAE 40, SAE 50, SAE 60 werden alle bei 100°C getestet, ein 20-er ist das dünnste (aber auch in der Hitze) und ein 60-er ist schon zäher.


    Allerdings: hin und wieder hat sich in Hitzebelastungstests in unseren Labors herausgestellt, dass zum Beispiel ein 10W60 Öl und ein 60-er Einbereichsöl doch verschiedentlich auf die Hitze reagieren. Im Betrieb kaum merkbar, gab es doch Schmierfilmunterschiede. Das lässt sich wie folgt erklären:


    Die Einbereichsöle werden häufig aus anderen Grundölen aufraffiniert und sind grösstenteils mineralölbasisch. Ein 20W50 ist bei vielen Lieferanten zum Beispiel ein sogenanntes "teilsynthetisches" Öl. Schon das Grundöl und die verschiedenartige Additivierung (zum Beispiel mit VI-Verbesserern auf Polymerbasis) haben einen gewissen Einfluss auf das Hitzeverhalten des Öls.
    Warum keine grosse Viskositäts-spreize?


    Gibt es die eierlegende Woll-Milch-Sau? Ein Öl, das bei fiesesten Minusgraden flüssig genug für einen reibungsfreien Start ist und bei heissester Betriebstemperatur noch fest genug ist, einen guten Schmierfilm zu garantieren? Vielleicht ein 10W60 Öl oder ein 0W60, oder ein 10W70? Wahlweise auch 5W50 oder so?


    Ja, diese Wunderöle gibt es. Und NEIN, wir (Shell) haben diese Wunderöle nicht im Sortiment für Motorradfahrer. Das hat vor allem einen Grund:


    Diese Öle müssen sogenannte (Viscosity.Index.Improver) beigemischt bekommen, sonst wäre das gar nicht möglich. Es handelt sich dann um ein originales 0W30 Öl oder 10W40 Öl. Beigemischt werden die V.I.I. zum verbessern des Hitzeverhaltens. Das sind kleine Polymer-„Wollknäule“. Wenn das Öl wärmer wird (Betriebstemperatur erhöht sich), dann dehnen sich die „Ärmchen“ dieser „Wollknäule“ aus. Die ehemals kleine Kugel ist dann ein ent-tüdeltes Knäul mit langen Armen. Die langen Arme machen das Öl in der Hitze dicker. Nur hat jedes Licht auch einen Schatten. Die „Arme“ der „Knäule“ sind nicht sonderlich fest gegenüber Scherkräften wie Motorinnenbewegungen. Nun schwimmen dann im Öl lauter abgetrennte Arme herum (wie „Kettensägen-Massaker II). Und diese Ablagerungen sind wie gesagt Polymerhaltig. Das heisst, sie neigen zu sogenannter Verkokoung (hat nichts mit Koks zu tun). Werden heiss, schmelzen zu Sammelpunkten zusammen, bilden Hitzenester, brennen sich als Schwarzschlacke fest, Russiger schwarzer Schlamm...bäh. Das KANN passieren (muss nicht), generell sollte aber ein Öl mit einer derartigen Viskospreizung deswegen viel häufiger gewechselt werden.

  • Jedenfalls sehr interessant!
    In einem Autoforum hab ich ein paar Leidensgenossen die so ein "Lifetime Öl" verwenden. Das muss nie gewechselt werden :-o , nur ergänzt und alle 30'000 Km ein Filterwechsel. Hat jemand Erfahrung damit bei Motorrädern?

    Weltmeister im synchron-Klippenspringen 2015


    8) In dubio Prosecco!

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